Bulgarisch / български език

Amtssprache in: Bulgarien

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Sprachencode: bg, bul

Zahl der Muttersprachler: über 7 Millionen in Bulgarien, 10-12 Millionen Sprecher

Sprachfamilie: Indoeuropäisch; Balto-Slawisch; Slawisch; Südslawisch
Bulgarisch gehört zu den ältesten dokumentierten slawischen Sprachen.

Alphabet:
kyrillisch, 30 Buchstaben

АБВГДЕЖЗИЙКЛМНО
абвгдежзийклмно
абвгдежзийклмно
ПРСТУФХЦЧШЩЪЬЮЯ
прстуфхцчшщъьюя
прстуфхцчшщъьюя

Beim Alphabet ergeben sich einige kleine Unterschiede zum Russischen:

  • Der wichtigste Unterschied ist der, dass das Zeichen ъ kein Härtezeichen, sondern einen dem Bulgarischen eigenen Vokal darstellt. Daher gibt es sowohl kleines ъ als auch großes Ъ, und Wörter können mit ъ anfangen (ъгъл ‚Winkel‘ und davon abgeleitete Wörter). Sein Lautwert entspricht dem ă im Rumänischen, also ungefähr einem stummen e im Deutschen, z. B. in murmeln, oder dem Lautwert des ersten Vokals des Wortes Ypsilon. Der Laut ist somit deutlich dunkler als das russische ы. Umgekehrt kommt ы in der bulgarischen Schrift nicht vor.
  • щ wird „шт“ (ʃt) ausgesprochen.
  • Generell werden die nicht jotierten Vokale normalerweise klar ausgesprochen, also nicht jotiert oder diphthongiert wie im Russischen. Beispielsweise wird bulgarisch е wie russisch э ausgesprochen; das Zeichen э existiert im Bulgarischen nicht. Eine Palatalisierung von Konsonanten tritt im Vergleich zu den anderen slawischen Sprachen wesentlich seltener auf, nämlich nur vor я, ю und ь(о); regional manchmal auch vor е und и. Des Weiteren tritt die Palatalisierung nie am Wortende auf.

Die Rechtschreibung ist wesentlich einfacher:

  • Das Weichheitszeichen ь tritt (fast) ausschließlich in der Wortmitte vor о als ьо auf; diese Kombination entspricht dem russischen ё. Die Kombinationen ьи und ье sind extrem selten und können nur bei der kyrillischen Umschrift ausländischer Namen auftreten, z. B. in „Вальехо“.
  • Es gibt kein Härtezeichen (s. o.)
  • Keine Entscheidung, ob и oder ы (da es kein ы gibt)
  • Keine Entscheidung, ob e oder э (da es kein э gibt)
  • Beim Lesen eines Textes keine Entscheidung, ob ein е evtl. ein nicht ausgeschriebenes ё ist (da man statt ё immer ьо schreibt, s. o.)
  • Fast keine Buchstabenverdoppelungen (insbesondere Verdoppelungen von Konsonanten sind meist rein morphologisch bedingt, z. B. от + тамоттам oder Singular лекция → Plural лекции, und somit leichter im Gedächtnis zu behalten; eine Ausnahme stellt die Bildung von Femininum-, Neutrum- und Pluralformen von Adjektiven dar, die auf -нен enden:
    временен (m, vorläufig) → временна (f, vorläufige) nicht zu verwechseln mit времена – die Pluralform von време (Zeit); dagegen aber почтен (m, anständig))→ почтена (f, anständige).
  • Eine Besonderheit stellt die Rechtschreibung von с (mit) und в (in) dar. Vor Wörtern, die mit den Buchstaben c oder з anfangen wird statt с die Langform със geschrieben, z. B.:
    със сила (mit Kraft), със задача (mit der Aufgabe). Ebenso wird statt в die Langform във vor Wörtern geschrieben, die mit в oder ф anfangen z. B.:
    във Венеция (in Venedig), във Франкфурт (in Frankfurt). Dies kann bsw. mit dem Englischen verglichen werden, wo es nicht a apple, sondern an apple heißt.